Steuerung
Crop Steering für Cannabis: Generatives Wachstum gezielt aufbauen
Crop Steering funktioniert dann sauber, wenn Timing, Dry-back und Substratsignale in dieselbe Richtung zeigen. Dieser Guide konzentriert sich darauf, genau diese Ausrichtung bewusst herzustellen.
Was ist Crop Steering?
Crop Steering ist die gezielte Manipulation von Substratfeuchte, Nährstoffkonzentration und Klimaparametern, um die Pflanze in eine bestimmte Wachstumsrichtung zu lenken — entweder vegetativ (Blatt- und Triebwachstum) oder generativ (Blüte und Fruchtbildung).
Das Prinzip basiert auf kontrolliertem Pflanzenstress: Durch gezielte Schwankungen in der Wurzelzone (Dry-Back-Zyklen, EC-Erhöhung) und im Klima (Temperaturdifferenz Tag/Nacht) wird die Pflanze dazu gebracht, Energie in Reproduktion statt in vegetatives Wachstum zu investieren.
Generativ vs. Vegetativ im Vergleich
| Parameter | Vegetativ | Generativ |
|---|---|---|
| Ziel | Blattwachstum, Masse, Wurzelentwicklung | Blüte, Fruchtbildung, Terpene |
| Dry-Back | Gering: 5 – 10% | Hoch: 10 – 20% |
| Erste Bewässerung | Frueh (bei Lichtbeginn) | Spaet (2 – 4h nach Lichtbeginn) |
| Letzte Bewässerung | Spaet (nahe Lichtende) | Frueh (2 – 3h vor Lichtende) |
| Input EC | Niedrig bis mittel: 0.8 – 1.4 | Mittel bis hoch: 1.4 – 2.0 |
| Substratfeuchte | Gleichmäßig hoch gehalten | Bewusste Schwankungen |
| Temperatur-DIF (Tag − Nacht) | Gering: 1 – 3 °C | Gross: 5 – 10 °C |
| Bewässerungsmenge pro Event | Kleiner, häufiger | Größer, seltener |
Dry-Back erklärt
Dry-Back bezeichnet den prozentualen Gewichtsverlust des Substrats zwischen der letzten Bewässerung des Vortags und der ersten Bewässerung am nächsten Tag. Er ist die zentrale Messgröße für Crop Steering.
Wie Dry-Back messen
- Substratwaagen: Goldstandard. Messen kontinuierlich das Topfgewicht und berechnen VWC und Dry-Back automatisch.
- VWC-Sensoren: Kapazitive oder TDR-Sensoren messen den volumetrischen Wassergehalt direkt im Substrat.
- Manuell: Topf vor letzter Bewässerung wiegen, am nächsten Morgen vor erster Bewässerung erneut wiegen. Differenz als Prozent des Saturation-Gewichts berechnen.
Dry-Back Zielwerte
| Steering-Richtung | Dry-Back (%) | Effekt |
|---|---|---|
| Stark vegetativ | 2 – 5% | Maximales Blattwachstum, Wurzelexpansion |
| Leicht vegetativ | 5 – 10% | Balanciertes Wachstum |
| Leicht generativ | 10 – 15% | Übergang zur Blüte, moderater Stress |
| Stark generativ | 15 – 20% | Maximale Blütenproduktion, Terpen-Synthese |
Generatives Steering in der Praxis
- Erste Bewässerung verspäten (P1 Event) Starte die erste Bewässerung 2-4 Stunden nach Licht-an. Das Substrat trocknet stärker aus, was den generativen Impuls verstärkt. In den ersten Tagen nach dem Umstellen reichen 2 Stunden — steigere auf 3-4 Stunden über 5-7 Tage.
- Größere Einzelgaben, weniger Events Statt 6x 200 ml lieber 3x 400 ml. Das erzeugt einen Wechsel zwischen starker Sättigung und anschließender Austrocknung — genau der Stress-Zyklus, den generatives Steering braucht.
- Letzte Bewässerung vorziehen Stoppe die Bewässerung 2-3 Stunden vor Licht-aus. Das Substrat trocknet über die gesamte Nachtphase aus. Je länger die Trockenphase, desto stärker der generative Impuls.
- EC erhöhen Erhöhe die Input-EC schrittweise auf 1.5-2.0 mS/cm. Die höhere Salzkonzentration erzeugt osmotischen Stress in der Wurzelzone. Erhöhe maximal 0.2 mS/cm pro Tag.
- Nachttemperatur senken (DIF-Strategie) Senke die Nachttemperatur auf 16-18 °C bei einer Tagestemperatur von 24-28 °C. Diese Temperaturdifferenz (DIF) von 5-10 °C fördert kompakte Internodien und stärkere Blütenentwicklung.
- Dry-Back täglich monitoren Miss den Dry-Back jeden Morgen vor der ersten Bewässerung. Ziel: 10-20%. Passe Bewässerungstiming und -volumen an, wenn der Wert außerhalb des Zielbereichs liegt.
Häufige Fehler beim Crop Steering
Wann generativ, wann vegetativ steuern?
| Zykluswoche | Phase | Steering |
|---|---|---|
| Woche 1 – 2 | Sämling / Klon | Stark vegetativ — hohe Feuchte, niedrige EC, kein Dry-Back |
| Woche 3 – 5 | Vegetativ | Vegetativ — gleichmäßige Feuchte, moderate EC, 5-10% Dry-Back |
| Woche 6 (Flip) | 12/12 Umstellung | Übergang — über 3-5 Tage schrittweise auf generativ wechseln |
| Woche 7 – 8 | Stretch / Frühe Blüte | Leicht generativ — 10-15% Dry-Back, EC 1.4-1.6 |
| Woche 9 – 12 | Volle Blüte | Stark generativ — 15-20% Dry-Back, EC 1.6-2.0, grosse DIF |
| Woche 13 – 14 | Späte Blüte / Reife | Generativ halten, EC ab Woche 13 reduzieren (Flush-Phase) |
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen generativem und vegetativem Steering?
Vegetatives Steering fördert Blattwachstum und Masse durch gleichmäßige Substratfeuchte, frühe Bewässerung und niedrigere EC. Generatives Steering fördert Blüte und Fruchtbildung durch stärkere Dry-Back-Zyklen, verspätete erste Bewässerung, höhere EC und größere Tag-Nacht-Temperaturdifferenz.
Wie viel Dry-Back ist optimal für generatives Steering?
Für generatives Steering sind 10-20% Dry-Back optimal. In der vegetativen Phase sind nur 5-10% üblich. Der genaue Wert hängt vom Substrattyp ab — Coco trocknet schneller als Steinwolle, Steinwolle hält die Feuchtigkeit länger. Beginne konservativ bei 10-12% und steigere langsam.
Wann sollte man von vegetativem auf generatives Steering umstellen?
Der Übergang erfolgt beim Wechsel auf den 12/12-Lichtzyklus. Beginne nicht abrupt — reduziere über 3-5 Tage schrittweise die Bewässerungsfrequenz und erhöhe die EC. Beobachte die Pflanzenreaktion genau während der Übergangsphase.
Brauche ich spezielle Sensoren für Crop Steering?
Substratwaagen oder VWC-Sensoren sind ideal, aber nicht zwingend. Als Minimum brauchen Sie ein EC-Messgerät und einen Weg, das Substratgewicht zu schätzen (z.B. Topf anheben). Professionelle Setups nutzen Tensiometer oder kapazitive Bodenfeuchtesensoren. Photon Flux Nutrients kann Ihnen helfen, auch mit manuellen Messungen effektives Steering umzusetzen.