Nährstoffe
Magnesium-Mangel bei Cannabis erkennen und beheben
Magnesium ist das zentrale Atom im Chlorophyllmolekül und Kofaktor für über 300 enzymatische Reaktionen. Sein Mangel äußert sich durch charakteristische intervenöse Chlorose und entwickelt sich oft schnell, weil Magnesium ein mobiles Nährelement ist, das aus älteren in neue Blätter wandert. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie Magnesium-Mangel zuverlässig diagnostizieren, von anderen Mängeln unterscheiden und korrigieren.
Erkennungszeichen und Symptome
Magnesium-Mangel prägt sich durch ein unverwechselbares Muster ab:
- Intervenöse Chlorose: Die Blattadern bleiben dunkelgrün, die Blattfläche dazwischen wird gelb bis hellgelb.
- Verteilung: Beginnt an den älteren, unteren Blättern und wandert nach oben.
- Zeitlicher Verlauf: Kann innerhalb von 3–5 Tagen sichtbar werden.
- Spätstadium: Nekrotische, braune Flecken auf der Blattfläche.
- Wachstum: Allgemein verlangsamtes Wachstum, kleinere Internodien.
Erkennungsmerkmal: Intervenöse Chlorose (grüne Adern, gelbe Fläche) ist pathognomisch für Magnesium-Mangel.
Ursachen und auslösende Faktoren
pH zu niedrig
Die häufigste Ursache ist ein pH-Wert unter 5,5 in Coco oder DWC-Systemen. Bei niedrigem pH verdrängen Wasserstoff-Ionen (H⁺) Magnesium von den Aufnahmestellen der Wurzel, obwohl Magnesium in der Lösung vorhanden ist.
Kalzium-Überschuss und Antagonismus
Kalzium und Magnesium konkurrieren um die gleiche Transportmechanismen in der Pflanze. Ein zu hoher Calcium-Anteil kann Magnesium-Aufnahme blockieren, selbst wenn Mg in angemessenen Mengen gelöst ist.
Zu hohe Kalium-Dosierung
Kalium und Magnesium verwenden ähnliche Aufnahmepfade. PK-Booster und stark kaliumhaltige Bloom-Dünger können zu Mg-Mangel führen, wenn nicht parallel CalMag erhöht wird.
Niedrige Substrat- oder Wurzelzonen-Temperatur
Magnesium-Aufnahme ist temperaturabhängig. Wurzelzonen unter 16 °C führen zu reduzierter Ionenaufnahme.
Ausgelaugtes oder kalkarmes Substrat
Alte oder mehrfach benutzte Substrate können Magnesium ausgelaugt haben.
Praxis-Tipp: Prüfen Sie zuerst den pH — das ist die schnellste und häufigste Lösung. Ein einfacher Tropftest oder digitales pH-Meter bringt Klarheit in Sekunden.
Unterscheidung von ähnlichen Mängeln
Mehrere Nährstoffmängel zeigen Gelbfärbung. Eine präzise Unterscheidung ist wichtig, um die richtige Korrektur durchzuführen.
| Mangel-Typ | Symptom-Muster | Betroffene Blätter | Charakter |
|---|---|---|---|
| Magnesium | Intervenöse Chlorose (grüne Adern, gelbe Fläche) | Alte Blätter, nach oben wandernd | Säumt die Adern scharf |
| Stickstoff | Gleichmäßige Gelbfärbung | Alte Blätter, gesamte Struktur | Diffus, keine Ader-Zeichnung |
| Kalium | Blattrandnekrose (braune Säume) | Alte Blätter, Ränder und Spitzen | Nekrotische Flecken am Rand |
| Eisen | Intervenöse Chlorose (neue Blätter) | Junge Blätter an der Spitze | Leichte, helle Gelbfärbung oben |
| Mangan | Graue oder braune Flecken | Junge und alte Blätter | Punkte, kein zusammenhängender Saum |
Eisen vs. Magnesium
Eisen-Mangel zeigt auch intervenöse Chlorose, tritt aber an den jungen Blättern oben auf und entsteht meist durch pH zu hoch. Magnesium-Mangel beginnt an alten Blättern unten. Im Zweifelsfall: pH prüfen und sowohl Eisen als auch Magnesium leicht erhöhen.
Korrektur und Behandlung
Schritt 1: pH überprüfen und korrigieren
Bevor Sie CalMag hinzufügen, messen Sie den pH:
- Coco/Kokos-Mix: Zielbereich 5,8–6,2
- DWC/Hydroponik: Zielbereich 5,5–6,0
- Erde: Zielbereich 6,0–6,5
Ist der pH zu niedrig, erhöhen Sie ihn mit pH-Up. Ein pH-Anstieg von 5,2 auf 6,0 behebt oft 50–70% des Symptoms innerhalb von 3 Tagen, ohne dass zusätzliche Supplements nötig sind.
Schritt 2: CalMag dosieren
Nutzen Sie ein etabliertes CalMag-Produkt und dosieren Sie nach Anleitung:
- Standard-Dosierung: 1–2 mL/L je nach Produkt und Wasserhärte
- Hartes Leitungswasser (>200 ppm): Reduzieren Sie die Menge oder verdünnen Sie mit destilliertem Wasser
- Zielwert Magnesium: 40–60 ppm in der Nährlösung
Mischen Sie CalMag nach dem Calcium-Salz und vor den anderen Düngern ein.
Schritt 3: Blattdünger (Notfall)
Wenn Sie schnelle Wirkung brauchen, nutzen Sie Epsomsalz (MgSO₄) als Blattdünger:
- 20 g Epsomsalz in 1 L Wasser auflösen
- Abends sprühen (nicht mittags in der Hitze)
- Alle 3–5 Tage wiederholen, bis die Symptome stoppen
- Blätter von unten besprühen — dort sind die meisten Stomata
Wichtig: Blattdünger wirkt schneller (1–2 Tage), ersetzt aber nicht die Wurzelkorrektur. Beheben Sie gleichzeitig den pH oder die Wurzelnährlösung.
Prävention und Nährlösungs-Design
CalMag von Anfang an
Viele Grower sehen Magnesium-Mangel erst spät. Besser: CalMag bereits von Klon/Sämling an dosieren:
- Vegetative Phase: 1–1,5 mL/L
- Blütephase: 1–2 mL/L (erhöhter Bedarf)
Wasser-Qualität beachten
Hartes Leitungswasser enthält Calcium und Magnesium und muss in der CalMag-Dosierung berücksichtigt werden:
- Messung: EC-Messgerät oder Wasserhärte-Test
- Berechnung: Wenn Leitungswasser bereits 150 ppm enthält, reduzieren Sie CalMag entsprechend
- Weiches Wasser: Braucht volle CalMag-Dosierung
pH-Stabilität
Ein schwankender pH ist ein Hauptfaktor für Magnesium-Mangel. Investieren Sie in:
- Ein gutes digitales pH-Meter (Kalibrierung vor jeder Messung)
- pH-Puffer oder stabile Dünger-Systeme
- Tägliche pH-Kontrolle (für hydroponische Systeme)
PK-Booster sparsam nutzen
PK-Booster enthalten hohe Kalium-Anteile und können durch Antagonismus Magnesium verdrängen. Richtlinie:
- PK-Booster ab Woche 3–4 der Blüte
- Nie über 30–40% der Basisdosis hinaus
- CalMag parallel leicht erhöhen (um 25–50%)
Magnesium-Zielwerte je Wachstumsphase
| Phase | Mg-Zielwert (ppm) | Typische CalMag-Dosierung | Notizen |
|---|---|---|---|
| Klon/Sämling | 30–40 | 0,8–1 mL/L | Schwache Pflanzen brauchen weniger |
| Vegetation | 40–50 | 1–1,5 mL/L | Stabile Versorgung für Wachstum |
| Frühe Blüte | 50–60 | 1,5–2 mL/L | Erhöhter Bedarf mit Wechsel zu Blüte-Dünger |
| Späte Blüte (Woche 7+) | 40–50 | 1–1,5 mL/L | Leicht reduzieren, Spülen nähert sich |
Magnesiummangel vs. Eisenmangel: Sicher unterscheiden
Sowohl Magnesium- als auch Eisenmangel verursachen intervenale Chlorose — Vergilbung zwischen den Blattadern bei grün bleibenden Adern. Der entscheidende Unterschied ist, welche Blätter zuerst betroffen sind: Magnesium ist teilmobil, daher zeigt sich der Mangel zuerst an mittleren bis älteren Blättern; Eisen ist immobil, daher immer an den jüngsten Blättern.
| Merkmal | Magnesiummangel | Eisenmangel |
|---|---|---|
| Betroffenes Blatalter | Mittlere/ältere Blätter zuerst | Nur Neuwachstum |
| Chlorose-Muster | Intervenal, Adern bleiben grün | Intervenal, fast weiß zwischen Adern |
| Fortschreiten | Langsam über Tage | Schnell (Tage bis komplette Bleiche) |
| Häufigste Ursache | Niedriges Mg, hohe K-Konkurrenz | pH über 7,0 oder unter 5,5, Mn-Konkurrenz |
| Sofortmaßnahme | 1–2 g/L MgSO4 als Blattspray | Zuerst pH auf 5,8–6,2 korrigieren; dann Fe-EDTA |
Häufige Fragen
Wie unterscheide ich Magnesium-Mangel von Stickstoff-Mangel?
Magnesium-Mangel zeigt intervenöse Chlorose: die Blattadern bleiben grün, während die Blattfläche dazwischen vergilbt. Stickstoff-Mangel führt zu gleichmäßiger Gelbfärbung des gesamten Blatts.
Warum verursacht zu niedriger pH Magnesium-Mangel?
Bei pH unter 5,5 konkurrieren Wasserstoff-Ionen (H+) mit Magnesium um die Aufnahmestellen an der Wurzel. Durch pH-Korrektur auf 5,8–6,2 wird die Magnesium-Aufnahme normalerweise sofort besser.
Wie dosiere ich CalMag richtig?
Standard-Dosierung liegt bei 1–2 mL/L. Bei hartem Leitungswasser (>200 ppm) reduzieren Sie die Menge. Zielwert für Magnesium: 40–60 ppm.
Kann ich Magnesium-Mangel mit Epsomsalz blattdüngen?
Ja, Epsomsalz (MgSO₄) ist eine effektive Notfall-Maßnahme. Lösen Sie 20 g in 1 L Wasser und sprühen Sie abends auf die Blattunterseiten alle 3–5 Tage.
Warum führt hohe Kalium-Versorgung zu Magnesium-Mangel?
Kalium und Magnesium konkurrieren um die gleichen Aufnahmestellen (Antagonismus). Ein Kalium-Überschuss verdrängt Magnesium. Bei über 1.000–1.200 ppm K sollten Sie CalMag erhöhen.