Photon Flux Nutrients

Anbautechnik

SCROG-Methode bei Cannabis: Netz einrichten, trainieren und maximalen Ertrag erzielen

SCROG (Screen of Green) ist eine passive Trainingsmethode, die durch geschicktes Verteilen der Triebe über ein Netz eine ebene, hochgradig ausgeleuchtete Canopy schafft. Dies optimiert die Lichtverwertung und kann Erträge um 20-30% erhöhen – ohne aggressive Schnitte, die zu Stress führen.

SCROG-Aufbau Querschnitt: Topf mit Pflanze, horizontales Netz, Triebe werden durch Netz geführt, Licht von oben
SCROG-Querschnitt: Netz 30-40cm über Substrat, Licht 40-60cm über Netz. Triebe horizontal verteilt = einheitliche Canopy.

Physiologie: Apikaldominanz brechen und Lichtverwertung optimieren

Cannabis zeigt natürliche Apikaldominanz: Der obere Haupttrieb (Apex) unterdrückt laterale (seitliche) Triebe durch Auxin-Hormon-Verteiling. Der Pflanze fehlt es an lateraler Entwicklung – ein großer oberer Bud, viele schwache untere.

SCROG löst dies durch passive Horizontalisierung: Alle Triebe werden horizontal über ein Netz verteilt. Dies signalisiert der Pflanze, dass multiple Apex-Punkte existieren, und sie entwickelt lateral. Zusätzlich erhalten alle Triebe (nicht nur der obere) volles Licht.

PPFD und Photosynthese-Effizienz

In einer untrainierten Canopy ist der untere PPFD (Photon Flux Density) oft 50-70% niedriger als oben. Diese Bereiche produzieren wenig. Mit SCROG wird eine ebene Oberfläche geschaffen, bei der 80-90% der Canopy die optimale Lichtstärke erhält. Resultat: höherer Gesamtertrag bei gleicher Lampe.

Kernvorteil: SCROG braucht weder Defoliation (die Stress verursacht) noch aggressive Schnitte. Es ist die eleganteste Methode, die Canopy zu optimieren – passiv und stress-arm.

SCROG-Setup: Netz und Installation

Netz-Material und Maschengröße

Material Maschenweite Vorteile Nachteile
Hanfnetz 5x5 cm oder 10x10 cm Schonend für Triebe, stretchy, leicht zu handling Weniger haltbar, verrottet nach 2-3 Zyklen
Bambusnetz Variabel Naturmaterial, haltbar, dünn und diskret Teurer, schwieriger zu spannen, weniger flexibel
Kunststoff/Nylon 5x5 cm bis 10x10 cm Sehr haltbar (5+ Jahre), günstig, einfach zu reinigen Weniger schonend für Triebe, kann splittern
Edelstahl oder Stahlnetz Variabel Extrem haltbar, kann wiederverwendet werden Teuer, steif, schwer zu handhaben, Rostrisiko

Standard für Anfänger: Hanf- oder Kunststoff-Netz mit 10x10 cm Maschen. Günstiger, einfacher zu handhaben, und völlig ausreichend für eine perfekte SCROG.

Installation Schritt-für-Schritt

1. Rahmen vorbereiten: Das Netz braucht einen stabilen Rahmen. Holzrahmen (2x2 cm Kantholz), Rohre oder ein gekaufter SCROG-Rahmen. Der Rahmen muss über der Pflanze befestigt sein – Höhe etwa 30-40 cm über dem Topf.

2. Netz spannen: Das Netz wird gleichmäßig gespannt – nicht zu straff (Triebe verbiegen sich nicht), aber auch nicht locker (Kontrolle geht verloren). Mit Schnur oder Kabelbinder an den Rahmen-Ecken befestigen.

3. Ebene überprüfen: Mit einer Wasserwaage kontrollieren, dass das Netz horizontal ist. Schief hängende Netze führen zu ungleichmäßiger Canopy.

4. Lichthöhe einstellen: Nach Netz-Installation die Lampe so positionieren, dass der optimale PPFD auf Netz-Höhe erreichet wird (typisch 800-1000 µmol/m²/s für LED in Blüte).

Pro-Tipp: Den Rahmen/Netz mit leicht abnehmbarem Design bauen, sodass es repariert oder ersetzt werden kann, ohne den ganzen Grow-Raum zu zerreißen.

Trieb-Training und Netz-Verwaltung

Phase 1: Vegetationsaufbau (Woche 1-3)

Nach dem Einpflanzen wächst die Pflanze zunächst vertikal. Das Netz ist noch nicht relevant. Die Pflanze sollte etwa 15-20 cm Hauptstiel-Länge entwickeln, bevor Training beginnt.

Phase 2: Trieb-Training (Woche 3-6 VEG)

Einführung des Netzes: Wenn Triebe etwa 10 cm Länge haben, beginnen Sie sie gentle unter das Netz zu führen. Dies sollte eine tägliche Routine werden.

Methode: Nebentriebe (die seitlichen Äste der Pflanze) werden horizontalisiert, indem sie behutsam unter die Netz-Maschen gezogen werden. Die Triebe wachsen dann horizontal und bilden neue Seitentriebe an den Internodien.

Tempo: Schnell, aber nicht aggressiv. Die Triebe wachsen schnell – täglich prüfen und neu positionieren ist nötig.

Ziel dieser Phase: Etwa 60-70% des Netzes sollte mit Trieben gefüllt sein. Dies bedeutet typischerweise 30-50 Haupttrieb-Punkte an der Oberfläche des Netzes.

Phase 3: Finale Vorbereitung (1 Woche vor Switch)

Triebe werden noch positioniert, aber intensives Training sollte aufhören. Die Pflanze braucht 3-5 Tage Ruhe vor dem Light-Wechsel, um hormonale Vorbereitung für Blüte zu treffen.

Phase 4: Blüte und Nutzung des Netzes

Nach dem 12/12 Lichtwechsel ändert sich die Dynamik. Triebe wachsen sehr schnell (Stretch) und brechen durch das Netz. Dies ist NORMAL und gewünscht. Die Aufgabe des Netzes ist jetzt, diese Triebe locker zu leiten und zu stützen, nicht sie fest zu halten.

Management: Junge Triebe, die oben durchkommen, werden sanft unter das Netz gebeugt und stabilisiert. Keine aggressive Horizontalisierung mehr – alles wird locker gehalten.

Lollipopping (optional): Bei Blüte-Start können sehr schwache, untere Triebe entfernt werden (Lollipopping), falls gewünscht. Dies erhöht Airflow und reduziert Botrytis-Risiko, aber ist nicht zwingend.

SCROG-Zeitplan: Woche für Woche

Woche Phase Status Netz Aktionen Ziel
1-3 VEG Aufbau Netz installiert, aber nicht genutzt Pflanze wächst vertikal, Hauptstiel-Länge aufbauen 15-20 cm Höhe, 5-8 sichtbare Internodien
4-6 VEG Training Triebe unter Netz gezogen Täglich Triebe positionieren, Netz 60-80% füllen 30-50 Trieb-Punkte über Netz, ebene Oberfläche
-1 VEG Finale Prep Alle Triebe positioniert Kein neues Training, Ruhe für Hormon-Anpassung 100% Netz gefüllt oder minimal
1-2 Blüte Stretch Triebe brechen durch Netz Sanfte Stützung, neue Triebe locker unter Netz Kontrollierter Höhenwuchs, keine Lagerhäuser
3-8 Blüte Blütenentwicklung Netz stabilisiert Triebe Minimal eingreifen, nur Stützung bei Bedarf Reifung ohne Verformung oder Brüche

Kritischer Punkt: Wenn 70-80% des Netzes gefüllt sind, ist der Zeitpunkt für den Light-Switch gekommen. Zu früh = viel freier Raum, Wachstum wird nicht optimal. Zu spät = Triebe drängeln, Qualität leidet.

SCROG vs. SOG vs. LST: Was ist der Unterschied?

SCROG (Screen of Green)

Ein Netz, 1-4 Pflanzen, lange VEG-Phase (3-5 Wochen). Ziel: ebene, hochgradig ausgeleuchtete Canopy mit wenigen großen Pflanzen.

Beste für: Mittlere bis größere Grow-Räume, Grower mit Geduld und Geschick für Training.

SOG (Sea of Green)

Viele kleine Pflanzen (16-100+), kurze VEG-Phase (1-2 Wochen oder keine VEG). Keine Netze, jede Pflanze ein Einzelcola. Ziel: Ertrag-Maximierung durch Mengeneffekt.

Beste für: Kommerzielle Grower, verfügbar viel Pflanzenraum, wenig Platz-Höhe.

LST (Low Stress Training)

Triebe werden gebeugt und mit Schnuren/Clips festgehalten – ohne Netz. Passive Spreizung. Kein Time-Investment in tägliches Management.

Beste für: Anfänger, kleine Räume, wer keine Netze aufspannen will.

Ranking nach Ertrag/Raum-Effizienz: 1. SCROG (~1.5 g/Watt), 2. SOG (~1.2 g/Watt), 3. LST (~0.9 g/Watt), 4. Untrainiert (~0.6 g/Watt).

Häufige SCROG-Fehler und wie man sie vermeidet

Fehler 1: Zu früh switchen

Light-Switch vor 70% Netz-Füllung bedeutet, dass viel Licht ungenutzt bleibt. Die Lampe leuchtet Luft statt Blätter an.

Fehler 2: Triebe nicht konsistent managen

SCROG erfordert tägliche Aufmerksamkeit. Wenn Sie mehrere Tage nicht hinschauen, wird es chaotisch – Triebe wachsen vertikal, verwickeln sich, und die Canopy wird wieder uneben.

Fehler 3: Zu stark in Blüte trainieren

Nach dem Switch sollte Stretch die Triebe selbst steuern. Erzwungenes Horizontalisieren in Woche 2-3 Blüte führt zu Blüten-Verformungen und Stress.

Fehler 4: Netz zu straff

Ein straff gespanntes Netz zerletzt Triebe, wenn diese dicker werden. Es sollte immer noch „spielen" und die Triebe unterstützen können.

SCROG vs. SOG vs. Topping: Welche Technik für welches Setup?

Nicht alle Trainingsmethoden sind für jeden Grower oder Raum gleich geeignet. Diese Tabelle hilft Ihnen, die richtige Technik für Ihre Situation zu wählen.

Technik Pflanzenzahl pro m² Vegetationszeit Setup-Aufwand Geeignet für Sorte Ertragspotenzial (g/Watt)
SCROG 1–4 3–6 Wochen Mittel (Netz bauen, täglich trainieren) Langsamwüchsig, große Genetik 1.4–1.6
SOG (Sea of Green) 16–100 0–1 Woche (meist keine VEG) Niedrig (Setup simpel, Massenverwaltung) Schnellwüchsig, Klone 1.1–1.4
Topping + LST 2–8 2–4 Wochen Mittel (häufige Schnitte, Lernkurve) Robust, mittlere Genetik 1.0–1.3
Untrainiert (Single Cola) 1–2 1–2 Wochen Sehr niedrig (passiv) Alle Sorten 0.5–0.8
Empfehlung nach Situation:
  • SCROG: Wenn Sie wenige Pflanzen haben (1–2) und geduldig trainieren können. Beste Ertrag-pro-m²-Effizienz.
  • SOG: Wenn Sie viele Klone verfügbar haben und schnell produzieren wollen. Weniger Finesse, mehr Volumen.
  • Topping/LST: Wenn Sie Anfänger sind oder kein Netz aufbauen wollen. Simpler, aber etwas weniger Ertrag.

SCROG-Netz richtig spannen und optimieren

Materialauswahl und Maschenweite

Die Wahl des Netzmaterials beeinflusst Haltbarkeit, Handhabung und Schonungfähigkeit. Die folgende Anleitung hilft, das richtige Material für Ihr Setup zu wählen:

Netzhöhe und Spannungoptimierung

Optimale Netzhöhe: 20–30 cm über dem Substrat (bei durchschnittlichen Topfgrößen von 10–20 Litern). Zu niedrig führt zu frühem Durchbrechen der Triebe, zu hoch verschlechtert die Nutzungseffizienz.

Spannungsgrad: Das Netz sollte fest, aber nicht stramm gespannt sein. Eine gute Faustregel: Sie sollten das Netz noch mit dem Finger etwa 2–3 cm nach unten drücken können, ohne dass es durchhängt.

Timing: Wann aufstellen, wann aufhören zu trainieren

Aufstellung: Das Netz wird in Woche 1–2 der Vegetation aufgebaut, aber aktives Training (Triebe unter das Netz ziehen) beginnt erst, wenn die Triebe etwa 10 cm Länge erreichen.

Trainingsende: Mit Beginn der Blüte (Lichtwechsel auf 12/12) sollten Sie aggressives Training beenden. In Woche 2–3 der Blüte ist die Stretchphase vorüber — neue Triebe sollten nur noch sanft unter das Netz gebeugt werden, nicht forciert trainiert.

Wichtiger Hinweis: Nach dem Lichtwechsel werden die Stifte und Triebe spröder. Aggressives Durchziehen durch das Netz nach Woche 2–3 Blüte kann zu Brüchen und Verformungen führen. Die Pflanze trainiert sich selbst durch Stretchphase — Sie müssen nur stützen, nicht kontrollieren.

Häufige Fragen

Wie hoch soll das SCROG-Netz sein?

Das Netz sollte 30-40 cm über dem Topfrand hängen. Bei kleineren Räumen 25-30 cm, bei größeren bis 50 cm. Die Höhe hängt von Pflanzengröße und verfügbarem Raum ab. Zu niedrig = Triebe wachsen über das Netz, Zu hoch = längere VEG-Phase nötig. Standard ist 35 cm.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den 12/12 Switch?

Optimal: Wenn 70-80% des Netzes mit Trieben gefüllt ist. Dies erfordert typischerweise 2-4 Wochen VEG je nach Genetik und Netz-Größe. Zu früh switchen = untergefülltes Netz, Licht-Verschwendung. Zu spät = Triebe brechen durch, unkontrolliertes Wachstum.

Kann ich SCROG mit Autoflowers nutzen?

Nicht klassisch. Autoflowers können nicht trainiert werden wie Photoperiode-Pflanzen. Allerdings ist sehr frühes, sanftes LST (Low Stress Training) mit einem Netz möglich, wenn man das Netz ab Tag 10-14 einführt. Echtes SCROG funktioniert nur bei Photoperiode-Genetik mit kontrollierbarer VEG-Phase.

Wie viele Pflanzen brauche ich für ein SCROG?

Das hängt von Netz-Größe und VEG-Dauer ab: 1 Pflanze auf 0.25-0.5 m² bei längerer VEG (4+ Wochen), oder 2-4 Pflanzen bei kürzerer VEG (2-3 Wochen). Standard: 1 Pflanze pro 30-50 cm x 30-50 cm Netz-Quadrat. Je weniger Pflanzen, desto länger die VEG-Phase.

Was passiert wenn ein Trieb unter dem Netz abstirbt?

Tote Triebe sollten schnell entfernt werden, sonst werden sie zur Pathogen-Quelle. Ein einzelner toter Trieb ist normalerweise nicht kritisch – die Pflanze hat genug Reserve. Wenn mehrere Triebe absterben, prüfen Sie auf Schädlinge, Nährstoff-Mangel oder Wässerungs-Probleme. Schnelle Diagnose ist wichtig.

Bringen Sie dieses Wissen dorthin, wo Kunden ihre Fragen stellen.

Photon Flux übersetzt Anbauwissen in strukturierte Antworten für Shops, Support-Teams und digitale Produktoberflächen. Die Kundenbeziehung bleibt bei Ihnen; die fachliche Erstberatung läuft strukturiert im Hintergrund.

  • Strukturierte Antworten für EC-, VPD-, Bewässerungs-, Diagnose- und Klimafragen
  • Einsetzbar per API, eingebettetem Widget oder internem Support-Workflow
  • EU-gehostet, zweisprachig und für den produktiven Einsatz gebaut
Platz sichern →